Der Aufbau, Vor- und Nachteile eines Bringslers.

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Oder: Ein großes Mysterium wird enthüllt… tadaa!

Bringsler findet man nicht nur im Rettungshundewesen, Bringsler werden vor allem auch für die Jagd ausgebildet. Hier sucht der Hund totes oder verwundetes Wild und zeigt dies durch den Bringselverweis an. Ein durch den Bringselverweis anzeigender Hund ist für fast jede Suchaufgabe denkbar und praktikabel. Beispielsweise bei der Verlorensuche nach kleinen oder zerbrechlichen Gegenständen.

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Labrador Angus bei der Anzeige.

Die Geschichte.

Die Suche nach vermissten, verletzten oder verschütteten Personen ist eine relativ neue Erfindung. Erstmals wurden Suchhunde im Deutsch-Französischen Krieg 1870 – 1871 eingesetzt. 1893 wurde in Aachen der „Deutsche Verein für Sanitätshunde“ gegründet. Bis 1915 wurden alle drei Verweisarten im Feld gezeigt. Verbellen, Verweisen ohne oder mit Apportieren eines Gegenstandes (sog. Freiverweis) und das Verweisen mit dem Bringsel. Ab 1915 durften Verbeller nicht mehr eingesetzt werden, da sie dem Feind die gegnerischen Stellungen verrieten. 1916 erließ das Kriegsministerium eine einheitliche Ausbildungsrichtlinie, die den Verweis mit dem Bringsel vorschrieb (Lorenz, 2017).

Das ist die Geschichte der Bringsler kurz umrissen. Wer mehr darüber lesen will, im Anschluss des Blogartikels findet ihr noch ein paar sehr interessante Quellen.

Der Aufbau.

Und nun zum Aufbau. Bevor ich mit der Ausbildung beginne, überlege ich mir erstmal, welches Verhalten der Hund zeigen soll. Beim Bringselverweis soll der Hund beim Auffinden einer Person sein Bringsel aufnehmen, das Bringsel zum Hundeführer bringen, es dem Hundeführer abgeben und den Hundeführer zur aufgefundenen Person führen.

Was muss der Hund lernen?

  • Apportieren, ausgelöst durch die Optik der aufgefundenen Person
  • Den Hundeführer zur gefundenen Person führen

Mehr ist Bringseln nicht!

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Das norwegische Bringsel. Percy beim Transport des Trainingsbringsels von der Hilfsperson zum Hundeführer.

Es gibt nicht nur einen Weg der Ausbildung. Wichtig ist, sich auf den auszubildenden Hund einzustellen. Man kann z.B. das Apportieren und das Zurückführen parallel erarbeiten. Es ist aber auch möglich und praktisch gut umsetzbar mit dem Apportieren zu beginnen. Nun wird dem Leser meines Blogs auffallen, dass das gar kein Rückwärtsaufbau ist. Hopala. Ein Vorwärtsaufbau!

Der Ablauf beim Vorwärtsaufbau ist:

  • Apportieren eines Reels/ Trainingsbringsels (z.B. ein Stück Schlauch, kleine Beisswurst oder direkt ein Bringsel) trainieren
  • Apportieren von einer Hilfsperson trainieren
  • das Zurückführen nach Abgabe des Bringsels trainieren
  • das Verharren des Hundes bei der Person trainieren

Beim Rückwärtsaufbau fängt man genau anders herum an.

Meiner Erfahrung nach hat sich der Vorwärtsaufbau beim Bringselverweis bewährt, da die Aufnahme des Bringsels und der Apport zum Hundeführer essenziell wichtig sind. Die häufigsten Fehler bei der Anzeige treten im Zusammenhang mit dem Apport des Bringsels auf. Sei es eine zu frühe oder zu späte Aufnahme, eine Aufnahme während der Suche, unsicheres Tragen des Bringsels oder auch zu frühes auslassen. Achte ich beim Apportiertraining nicht auf eine korrekte Arbeit ohne unnötige Hilfen bekomme ich keinen sauberen und zuverlässigen Bringselverweis.

Hundeführer quatschen oft zu viel und geben unnötige Körperhilfen. Das sieht man in allen Bereichen des Hundesports und selbst die Profis sind davor nicht gefeit. Dagegen hilft nur Konzentration, Videos und Beobachtung durch Dritte. Nutzt alle Möglichkeiten, die ihr habt, um euch immer wieder selbst zu hinterfragen!

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Ausgangspostion des Hundeführers. Die Hand- und Fingerhaltung der Hand mit dem Trainingsbringsel ist wichtig, da später mit den Fingern unter des Kinn des Hundes gefasst wird. Wie immer im Hundetraining empfiehlt sich Trockentraining bevor der Hund dazu kommt.


Und nun die Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Schritt 1.

Beim Aufbau des Apports präsentiere ich dem Hund ein feuchtes Leckerli (Käse, Wurst) und das Apportel gleichzeitig. Der Hund muss nun durch ausprobieren herausfinden, wie er an das Leckerli kommt. Wenn ihr Glück habt, schaut der Hund zuerst auf das Apportel. Das bestätigt man sofort, in dem man das Leckerli frei gibt. Wichtig ist hier, die Hände auf gleicher Höhe halten, Hände stillhalten und Klappe halten 😊 Zuerst belohnt man bei schwierigen Kandidaten das Anschauen des Apportels, dann Anstupsen, kurz in den Fang nehmen und im Fang halten. Ich gebe kein Wortkommando fürs Ausgeben, meine Hunde geben das Bringsel ab, wenn meine Finger das Kinn berühren.

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Die meisten Hunde nagen, pföteln oder lecken erstmal an der Leckerlihand. Das sitzt man einfach aus, muss der Hund das erste Mal eine Aufgabe auf diesem Weg lösen, können kleinere Schritte, wie in der Bildreihe zu sehen nötig sein.
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Das in den Fang nehmen des Trainingsbringsels baut man langsam immer weiter aus, bis der Hund es selbstständig hält.

Schritt 2.

Wenn das sicher funktioniert lege ich das Apportel auf den Boden. Leckerlihand und die freie Hand können quasi in der Endposition sein, wie im Absatz vorher. Es gibt Hunde, da kann es von Vorteil sein, wenn Anfangs der Abstand zwischen Händen und Apportel am Boden nicht zu groß ist. Wenn der Hund mir das Apportel im Stehen in die Hand gibt kommt der nächste Schritt. Wichtig ist, ich habe hier immer noch ständig das Leckerli in der Hand. Siehe Premack-Prinzip.

Schritt 3.

Als nächstes verharrt der Hund und ich lege das Apportel einen Schritt von mir entfernt auf den Boden. Nach Freigabe (kein Kommando zum Apport in Verbindung mit dem Bringselverweis!) sollte der Hund nun die Idee dazu haben, dass das Apportel in die Hand des Hundeführers gehört. Klappt das auch auf größere Entfernungen gehe ich zum nächsten Schritt. Größere Entfernungen sind z.B. 3 – 5 Schritte. Der Hund soll hier nicht ins Suchen kommen, sondern das Apportel sehen.

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Fällt das Reel oder Trainsingsbringsel auf den Boden ignoriert man das einfach. Von einem Aufheben lassen oder anderem nachkorrigieren ist abzuraten. Nur fehlerfreie Übungsschritte werden bestätigt.

Schritt 4.

Nun kommt endlich eine Person dazu! Der Hund verharrt wieder an der Ausgansposition, eine Hilfsperson sitzt ein paar Schritte entfernt am Boden, der Hundeführer geht zur Hilfsperson und legt das Apportel sichtbar neben die Hilfsperson, kehrt zum Hund zurück und gibt diesen frei. An dieser Stelle benutzt man immer noch kein Kommando und wir befinden uns optimalerweise drinnen. Bis zu diesem Punkt kann der Hundeführer den Aufbau als Hausaufgabe in den eigenen vier Wänden trainieren. Wenn das nicht möglich ist, muss darauf geachtet werden, dass der Hund das Apportel sehen kann. Das erreicht man durch festen Boden (Schotter, Pflaster, Teer) und nach Möglichkeit ein blaues Apportel. Will man beim gleichen Apportel bleiben eignet sich hellblau sehr gut, da man als Hundeführer nachts die Anzeige besser sieht. Man kann auch das Bringsel später mit Reflektoren versehen.

Schritt 5.

Ab Schritt 5 kann das Training nach draußen verlegt werden. Man festigt den Apport zum Hundeführer über unterschiedliche Distanzen, auf unterschiedlichen Untergründen, mit unterschiedlichen Hilfspersonen in unterschiedlichen Positionen. Wichtig ist, Hilfsperson und Apportel sind für den Hund gut sichtbar.

Schritt 6.

Wenn der Hund sicher auf unterschiedliche Distanzen und Untergründen das Apportel von der Hilfsperson zum Hundeführer bringt beginnt man mit dem Aufbau des Zurückführens. Der Hund wird freigegeben, um das Apportel von der Hilfsperson zu bringen. Nach der Abgabe des Apportels bekommt der Hund wie gehabt ein Leckerli. Der Hundeführer gibt, so laut, dass die Hilfsperson es hören kann,. Die Hilfsperson „ruft“ den Hund, der Hund rennt zur Hilfsperson und erhält einen Jackpot (Ball, Beisswurst, Dose ausfressen, Futterdummy, etc.). Wichtig ist hier: max. 3 – 5x Locken, keine Körperhilfen durch den Hundeführer.

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Startbereit. Labrador Angus mit Hundeführerin Magdalena vom BRK Miesbach.

Schritt 7.

Nun überlegt man sich noch, ob der Hund pendeln soll, frei zurückführen oder an einer Leine. Einige Prüfungsordnungen geben den genauen Ablauf vor und man hat keine Möglichkeit das nach anderen Kriterien zu entscheiden. Jede Form des Zurückführens hat ihre Vor- und Nachteile. Das Pendeln ist für den Hundeführer sehr gemütlich, der Hund muss aber eine enorme Laufleistung bringen. Beim Pendeln kann es noch zu Problemen kommen, wenn der Hund nicht auf direktem Weg hin- und her pendelt. Viele PO’s sehen das so vor, in der Realität ist es aber oft nicht möglich. Der frei zurückführende Hund ist eine schöne Sache, erfordert aber vom Hund mehr Konzentration und vom Hundeführer mehr Ausbildungszeit, da die meisten Hunde in zügigem Tempo zur Hilfsperson zurücklaufen. Für gemütlichere Hunde aber auf jeden Fall geeignet. Oder der Hund führt seinen Hundeführer an der Leine zurück. Diese Möglichkeit ist für den Hundeführer im Dunkeln im Wald eher unangenehm und je nach Gelände auch anstrengend. Auch das Zurückführen an der Leine muss trainiert werden, damit der Hund z.B. nach Hindernissen auf Kommando wartet und danach zielstrebig weiter in Richtung Hilfsperson läuft.

Schritt 8.

Wenn der Hund die Anzeige mit den Reels/ Trainingsbringseln gelernt hat und die Kette gefestigt wurde kann man beginnen mit dem Bringselhalsband zu arbeiten. Das norwegische Bringsel stellt man lang ein und das deutsche Bringsel hängt man ins Halsband ein (die Bringselhalsbänder sollte beim Training im Gelände immer dran sein). Falls es nötig ist unterstützt die Hilfsperson den Hund bei der Aufnahme des Bringsels. Sehr schnell lernt der Hund die Bewegung, um das Bringsel aufzunehmen. Das norwegische Bringsel muss nun nach und nach immer mehr verkürzt werden, bis es der Hund gerade noch selbstständig aufnehmen kann.

Fertig ist der Bringselverweis!

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Labrador Angus auf der Suche nach der Versteckperson. Gut sichtbar sein deutsches Bringsel.

Wie lange man festigt und wie oft man mit Reels oder Halsband arbeitet kommt wieder auf das Team an. Allgemein empfohlen wird nur ¼ der Trainingszeit mit Bringselhalsband zu arbeiten. Ist das nötig? Bei korrektem und durchdachtem Training nicht. Habe ich in jedem Training meine Kriterien (LINK) im Kopf spricht nichts dagegen viel mit dem Bringselhalsband zu arbeiten. In der Rettungshundearbeit habe ich den Vorteil, dass mir der „anzeigeauslösende Geruch“ sagen kann, ob die Anzeige korrekt war. Dank moderner Technik sogar noch bevor der Hund wieder zurück beim Hundeführer ist. Dank moderner Technik kann ich mir als Hundeführer sogar selbst ein Bild mach 😉

Diese 8 Schritte sind nicht in Stein gemeißelt. Jedes Team ist anders und es sollte in der Ausbildung immer ganz individuell gearbeitet werden. Das Leckerli für die Abgabe des Bringsels beim Hundeführer kann man relativ lange geben. Wenn der Apport gut gefestigt ist, ist es aber, wenn das Zurückführen sitzt, nicht notwendig. Viele Hund drehen sich nach Bringselabgabe direkt um, in Richtung Hilfsperson. Wann das Suchkommando zum Start genutzt wird ist auch sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab.

Wie das Ganze im Rückwärtsaufbau aussieht werde ich in der Reihe „Der sagenumwobene passive Helfer“ niederschreiben.

Welche Vorteile hat nun der Bringselverweis? Klar, das ist wieder eine individuelle Sache. Ein ganz klarer Vorteil ist, dass viele Hunde Laufen zur Stressbewältigung nutzen. Das kommt mir beim Bringseln dann sehr entgegen. Der Hund ist die ganze Zeit in Bewegung und muss sich nicht mit Fremdpersonen auseinandersetzen. Das ist auch für Einsatzhunde ein riesiger Vorteil. Der Hund ist nur kurz in der Nähe der vermissten Person. Da nicht jede vermisste Person unseren Hunden wohlgesonnen ist, die Gründe können hier sehr unterschiedlich sein, ist diese Form der Anzeige für den Hund sicherer. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Anzeige sehr ruhig abläuft und für die gefundene Person sehr angenehm ist. Viele Menschen haben Angst vor Hunden und liegend im Dunkeln angebellt werden ist nicht gerade beruhigend.

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Person gefunden! Labrador Angus zeigt seiner Hundführerin Magdalena die gefundene Person.

Vor- und Nachteile des Bringselverweises

Dieser Vorteil ist auch ein Nachteil. Es kann sehr frustrierend für einen Vermissten sein, wenn der vermeintliche Retter wieder im dunklen Wald verschwindet. Ein weiterer Nachteil ist die Materialschlacht. Der Hund braucht mindestens ein Halsband mit Bringsel. Verliert er das Bringsel, dann kann er nicht mehr anzeigen. Deshalb ist es sinnvoll immer einen Ersatz dabei zu haben. Dann braucht man, falls man mit Leine arbeitet ein gutsitzendes Geschirr/ Kenndecke und die Leine. Die als Vorteil genannte Stressbewältigung durch Laufen kann auch ein großer Nachteil sein. Denn die Laufleistung und die Konzentration, die nötig ist, um den Hundeführer und dann wieder die vermisste Person zu finden sind nicht zu unterschätzen.

Hier gilt wieder, es ist alles ausbildbar, aber es muss zum Team passen!

Mehr lest ihr immer wieder in meinem Blog. Wenn ihr lieber in der Gruppe lernt kann ich euch meine Workshops empfehlen:

Rückverweiser Workshop in Leipzig

https://www.bugbuster.training/rueckverweiser-workshop-leipzig

Workshop Problem erkannt, Problem gebannt in Leipzig

https://www.bugbuster.training/Problem-erkannt-workshop-leipzig

Anzeigenworkshop in Leipzig

https://www.bugbuster.training/anzeigen-workshop-leipzig

In allen Workshops stelle ich euch den passiven Helfer gerne persönlich vor!

Vielen Dank an die BRK RHS Miesbach (https://www.facebook.com/BRK-Rettungshundestaffel-Miesbach-262902973780258/ ) für die gemeinsamen Stunden und die Möglichkeit für ein Fotoshooting!

Link-Tipps und Quellenangaben:

Lorenz, O. a. (20. 01 2017). „Such verwundt!“ – Das Sanitätshundewesen in Deutschland bis 1918. Wehrmedizinische Monatsschrift, S. 12-17.

https://wehrmed.de/article/2943-such-verwundt-das-sanitaetshundewesen-in-deutschland-bis-1918.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/historisches-e-paper/historisches-e-paper-zum-ersten-weltkrieg-der-sanitaetshund-im-kriege-13990648.html#void

Der sagenumwobene passive Helfer – Kapitel 2

Lerntheorie, operante Konditionierung, Klicker, positives Lernen, positives Training

Oder: Ausbildung basiert auf Lerntheorie. Immer. In jeder Sparte.

Berufsbedingt befasse ich mich sehr oft und gern mit der Lerntheorie. Einmal wollte ich den 11er bestehen, das funktioniert nicht ohne Fachbegriffe und richtige Anwendung der Lerntheorie in Theorie und Praxis. Und es interessiert mich einfach. Es ist spannend neue Forschungsergebnisse zu lesen, es ist sehr erleuchtend ein Huhn zu klickern und es macht einfach Spaß gemeinsam mit anderen Trainern über diverse Aufgabenstellungen zu diskutieren! Kurz gesagt: bildet euch weiter, wann immer ihr die Möglichkeit habt. Gebt Geld auch mal für ein gutes Buch und nicht für eine neue Leine aus. Schaut über den Tellerrand eurer Organisation, eures Vereins oder auch eurer Sparte.

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Ich gebe euch einen kurzen Überblick über die verschiedenen Arten der Konditionierung und die Begrifflichkeiten. Empfehlenswerte Literatur findet ihr ganz am Schluss.

In der Lerntheorie ist immer wieder die Rede von der klassischen und der operanten/ instrumentellen Konditionierung (entdeckt durch Skinner). In der Ausbildung unserer Hunde arbeiten wir vorrangig mit der operanten Konditionierung. Der Hund tut etwas und dafür bekommt er eine Belohnung. Zum Beispiel springt der Hund mit der Nase an die Leckerlidose und bekommt dafür einen Leckerliregen.

Die klassische Konditionierung (entdeckt durch Pavlov) funktioniert etwas anders. Hier wird ein Geräusch, eine Berührung, etc. mit einem Reflex/ Gefühl verknüpft. Der Unterschied zur operanten Konditionierung ist, dass kein Verstärker nötig ist und kein bewusstes Verhalten konditioniert wird. Ein Beispiel wäre hier: man läutet eine Glocke, pustet seinem Partner ins Auge, der Partner blinzelt. Bei einer ausreichenden Wiederholungszahl blinzelt der Partner nur durch das Geräusch der Glocke. Die klassische Konditionierung können wir auch nicht abschalten. Sie findet immer statt, wenn für den Hund etwas angenehm oder unangenehm ist. Deshalb ist es im Training wichtig die Begrifflichkeiten zu kennen, denn es passiert schnell, dass die klassische Konditionierung im Training gegen die operante Konditionierung und unser Trainingsziel arbeitet.

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Das Premack-Prinzip besagt vereinfacht: man kann den Hund mit allem belohnen, was er lieber hat, als das, was er gerade tut (Theby, 2016). In der Praxis spricht man z.B. vom Premack-Prinzip, wenn der Hund seinen Ball auf dem Hundeplatz schon sehen kann und ihn nach ein paar Unterordnungsübungen holen darf. Beim Training nach dem Premack-Prinzip ist die Ablenkung von Anfang an eingebaut, wodurch diese Art des Trainings sehr wirkungsvoll sein kann.

Und als letztes sollten noch Robert Yerkes und John Dillingham Dodson genannt werden. Yerkes und Dodson haben bewiesen, dass es ein optimales Erregungs-/ Motivationslevel gibt. Ist die Erregung/ Motivation zu gering findet wenig lernen statt. Wenn die Erregung/ Motivation steigt, steigt auch das Lernen. Wenn die Erregung/ Motivation über einen kritischen Punkt steigt, wird das Lernen wieder weniger. Das kann man oft bei beutefixierten Hunden beobachten. Sie können schon gelernte Unterordnungselemente „plötzlich“ nicht mehr abrufen und an das Erlernen neuer Elemente ist nicht zu denken, wenn sie die Beute sehen oder erahnen können.

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An den letzten beiden Beispielen kann man sehr schön erkennen, dass ein Training nach Schema F oder nach Rezept nicht funktioniert. Hunde, die nicht ins Schema passen und ihr eigenes ganz individuelles Rezept brauchen fallen leider durchs Raster. Das ist mit individueller Ausbildung überhaupt nicht notwendig. Wenn man die Grundlagen der Lerntheorie im Hinterkopf hat kommt man in der Ausbildung oft sehr viel weiter als es vielleicht auf Grund der Rasse oder Anfangsvoraussetzungen scheint.

Gebt nicht auf, denn auch der selbstständige Jagdhund kann lernen mit euch zusammen zu arbeiten. Dies gilt auch für das andere Extrem, die Hütehunde, die gerne für alles erstmal eine Anleitung hätten und natürlich für alle anderen Hundecharaktere dazwischen <3

Beim nächsten Mal geht es wieder spezieller um Rettungshundearbeit und Nasenarbeit. Seid gespannt und ich hoffe ihr versteht jetzt etwas besser warum euer Hund manchmal etwas tut oder auch nicht. Wenn ihr mehr über das Thema lesen wollt kann ich euch das Buch „Verstärker verstehen: Über den Einsatz von Belohnung im Hundetraining“ von Viviane Theby in der 5. Auflage aus dem Jahr 2018 empfehlen.

Mehr lest ihr immer wieder in meinem Blog. Wenn ihr lieber in der Gruppe lernt kann ich euch meine Workshops empfehlen:

Rückverweiserworkshop in Leipzig

https://www.bugbuster.training/rueckverweiser-workshop-leipzig

Workshop Problem erkannt, Problem gebannt in Leipzig

https://www.bugbuster.training/Problem-erkannt-workshop-leipzig

Anzeigenworkshop in Leizpzig

https://www.bugbuster.training/anzeigen-workshop-leipzig

In den RH-Workshops stelle ich euch den passiven Helfer gerne persönlich vor!

Der sagenumwobene passive Helfer – Kapitel 1

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Oder: wie übernehme ich für die Ausbildung meines Hundes selbst die Verantwortung?

In der Rettungshundewelt glaubt man oftmals nicht an die Lerntheorie oder kennt man sie nicht? Man weiß es nicht…

Als ich vor 11 Jahren mit meinem Hund in die Rettungshundeausbildung eingestiegen bin war es noch an der Tagesordnung: Opfer- oder Helferbindung, Helferarbeit, Helferschulung. Woher der Mythos mit der Opferbindung kommt, weiß ich nicht und werde es auch nicht recherchieren. Die Helferarbeit und Helferschulung kommt aus dem Schutzdienst. Da macht es auch Sinn, da der Schutzdiensthelfer wissen muss, wie er durchschnittlich 35 kg Hund im Anflug zu händeln hat. Weder will man einen kaputten Helfer, noch braucht man einen kaputten Hund.

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In der Rettungshundearbeit sieht das völlig anders aus. Körperkontakt zwischen Hund und Helfer ist fehlerhaft. Punkt.

Aber nun nochmal zurück in meine Rettungshundevergangenheit. Vor 11 Jahren wurde mein Hund durch weglaufende und jubelnde Helfer aufgebaut. Das Ergebnis war: der Herr Aussie fand das jubeln einiger Helfer höchst suspekt und blieb lieber bei mir. An Suchen mit der Nase war nicht zu denken. Warum auch. Wenn Hund nur lange genug wartete zeigten sich die Helfer oder riefen den Hund. Sehr praktisch. Nach einem Jahr Ausbildung fand ich persönlich die Rettungshundeübungen eher sinnlos. 6 – 8 Stunden Aufwand für 2 – 3 Nachlaufübungen. Und wisst ihr was, Verbellen wollte mein Aussie auch nicht. Es hakte an allen Ecken, ich dachte mir damals noch, naja, dann ist das einfach nicht unser Hobby. Was solls. Im Dummytraining, Canicross und Bike-/ Skijöring war mein Hund grandios. Ohne dass ich einen externen Ausbilder oder eine Hundeschule gebraucht habe.

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Halt, stopp. Der Hund kann 500g schwere Dummys in nassem und hohem Gras suchen, aber keine Menschen mit durchschnittlich 80 kg. Komisch, oder? Das ist alles eine Frage der Motivation und wie ich dem Hund vermittle, was er eigentlich tun soll. Warum man aktuell in der Rettungshundeausbildung immer noch mit aktivem Helfer arbeitet erschließt sich mir nicht. Liebe Hundeführer, übernehmt selbst Verantwortung für die Ausbildung eurer Hunde! Und räumt die alten Märchen aus euren Köpfen, die von Opferbindung handeln oder davon, dass ein Hund, der direkt aus der Tupperdose frisst den Helfer bedrängt oder davon, dass ein Hund nur Futter oder Bällchen sucht, wenn er das eine oder andere als Bestätigung bekommt (beide Märchen gibt es). Oder, noch ein wunderschönes Märchen: wenn der Hund mit dem Futterdummy vom Helfer zum Hundeführer läuft verlässt er den Helfer. Wie kommt man denn auf so eine Idee. Lerntheorie 6. Setzen.

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Im Grunde ist Lerntheorie sehr leicht: der Hund tut das, wofür er bestätigt wird. Der Hund bedrängt den Helfer? Dann bringt dem Hund das nicht bei. Der Hund verbellt den Helfer nur mit großen Pausen? Dann lehrt euren Hund eine ordentliche Anzeige. Der Hund verlässt den Helfer? Dann zeigt eurem Hund, was er eigentlich tun soll. An fehlerhaftem Verhalten ist nicht der Helfer schuld und es liegt auch nicht an einem ungeeigneten Hund. Übernehmt die Verantwortung für euren Hund selbst, legt die Ausbildung eurer Hunde nicht in teilweise fremde Hände und macht euch unabhängig von „guten Helfern“.

Hier schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei der Überschrift: der sagenumwobene passive Helfer oder die helferunabhängige Ausbildung!

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Mehr lest ihr immer wieder in meinem Blog. Wenn ihr lieber in der Gruppe lernt kann ich euch meine Workshops empfehlen:

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In den RH-Workshops stelle ich euch den passiven Helfer gerne persönlich vor!